Was kann ich tun?Kategorie: SchreibabysWas kann ich tun?
Sanna asked vor 1 Monat

Was kann ich tun?

Hallo, ich wende mich an Sie, da ich leider derzeit mit meinen Kräften am Limit bin. Mein Sohn ist jetzt 7,5 Wochen alt und hat laut Kinderarzt wohl 3 Monats Koliken. Der Arzt hat mich mehr oder weniger mit den Worten „ das geht vorbei, bis dahin hilft nur Geduld und Zuneigung“ weggeschickt und meine Hebamme gibt mir Globuli für den Kleinen ( wovon ich nichts halte und es auch nicht wirkt). Mein Sohn hat sichtlich mit seiner Verdauung zu kämpfen, aber ich kann mir nicht vorstellen, das das wirklich der einzige Grund ist. In den letzten Tagen war es schon zwischenzeitlich richtig gut, so dass ich dachte, wir sind über den Berg, doch plötzlich schreit er wieder untröstlich in den Abendstunden. Tagsüber geht es so einigermaßen, so lange ich ihn immer in der Trage habe. Tags schläft er auch ausschließlich darin. Ablegen geht grundsätzlich gar nicht und im Kinderwagen schläft er manchmal für kurze Zeit. Mir tut schon der Rücken so schlimm weh, vom vielen Tragen. Er ist extrem laut und schrill und das schon seit den ersten Sekunden im Kreißsaal. Mir bereitet das Schreien wirklich körperliche Schmerzen und mir wird ganz flau. Ich habe alle gängigen Cremes, Öle und Zäpfchen versucht und auch ein Termin beim Osteopathen hat nicht geholfen. Dort hat er die Stunde komplett durchgeschrieben. Die erste Woche nach der Geburt mussten wir leider wegen einer Neugeborenen-Infektion im Kinderkrankenhaus verbringen. Ich dachte erst, zuhause würde bestimmt alles besser, aber das hat sich nicht bewahrheitet. Er findet eigentlich alles schlimm. Wickeln, An- und Ausziehen, Waschen, Baden, nichts geht ohne Geschrei. Wenn ich von anderen Müttern höre, dass sie Fingerspiele, Lieder und Babymasssgen gemeinsam genießen, könnte ich sofort weinen. Ich habe so viel Liebe für mein Kind und habe das Gefühl, dass davon nichts ankommt. Meine Hebamme hat gesagt, ich soll es dich noch mal bei einem Orthopäden versuchen, aber der Osteopathe hat ja auch nichts gefunden und wenn er Blockade hätte, würde er doch auch morgens schreien? Es zerreißt mir das Herz und die Nerven, dass ich nicht weiß, wie ich ihm helfen soll. Ich hatte mich so auf diese Zeit gefreut und nun laufen nur Tränen. Wenn Ruhe ist, bin ich trotzdem angespannt und habe Angst davor, dass es gleich wieder los geht. Angst ist ein Gefühl, mit dem ich meinem Kind nicht begegnen möchte und doch ist es so und das macht mich so traurig. Ich weiß nicht, was ich mir von meiner Kontaktaufnahme zu ihnen erwarte, nach 7 Wochen mit täglichen Tränen und Magenschmerzen habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr weiter weiß. Ich hoffe so, dass alles bald abebbt und nach 3 Monaten wirklich aufhört, aber bis dahin muss ich etwas tun, um selbst wieder mehr Freude empfinden zu können, denn natürlich liebe ich meinen Sohn so sehr. Gerade deshalb geht mir sein schlimmes Weinen ja so an die Nieren. Jeder sagt mir, das ist alles normal, aber ich kenne mich so gar nicht und möchte mich an den Lebensstart meines Sohnes nicht nur mit mulmigem Gefühl erinnern. Schöne Grüße.

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 1 Monat geantwortet

Ihr Beitrag geht mir so sehr zu Herzen, dass ich Ihnen am Liebsten sofort helfen möchte. Auch wenn ich vielleicht mit einigen Hinweisen Ihnen eine Erklärung versuchen werde zu geben, möchte ich Ihnen raten, sich in einer geeigneten Beratungsstelle zusätzliche Rückenstärkung zu holen. Ich empfehle Ihnen dazu, sich auf http://www.elternsein.info unter „Schreiambulanzen“ eine wohnortnahe Ambulanz herauszusuchen. Gern biete ich Ihnen auch an, uns eine mail zu schreiben unter info@vonanfang.de, damit wir Ihnen dabei behilflich sein können. 
Wenn Ihr Kinderarzt davon spricht, dass Ihr Baby 3 Monatskoliken hat, stimmt an seiner Aussage, dass sich diese „Unreife“ meist nach dem 3. Monat erledigt. Es liegt allerdings nicht an der Verdauung, sondern daran, dass manche Babys sich schwer damit tun die Wach- und Schlafzustände trennen zu lernen, sondern nie richtig zur Ruhe kommen, weil sie sehr reizoffen sind. Erkennbar ist das oft am Mororeflex, der bei diesen Babys sogar im Schlaf bei Geräuschen spotan auftreten kann. 
Wenn man -wie Sie- so ein reizoffenes Baby hat, ist dies eine ungeheure Belastung für Eltern, weil der Appell dieser Kinder an Ihre Eltern unablässig und laut und kaum erfolgreich ist. Auszuhalten, dass man sein geliebtes Wunschkind leiden sieht und ihm nicht helfen kann, ist mit das belastendste was Eltern zu erdulden haben. Ich bin voller Mitgefühl für Sie in Ihrer Besorgnis und Erschöpfung. Die Ursache für das Schreien kann ich nur mutmaßen. Dazu brauche ich mehr Informationen von  Ihnen. Sie haben viele medizinische Probleme ausschliessen lassen. Möglicherweise wird sich keine Diagnose finden, allerdings folge ich immer dem Bauchgefühl der Eltern, da sie ihr Kind gut beobachten. Daher mein Rat eine Schreibabyberatung aufzusuchen.
Auch würde ich eine Blockade ausschliessen lassen. Morgens sind die Kinder noch entspannter. Doch über den Tag verteilt nimmt das Baby so viele Eindrücke auf, dass es zunehmend angestrengt ist. 
Das was ich Ihnen hier unbedingt mitgeben möchte, ist die Frage wie Sie mit dem Stress umgehen, der durch das Schreien des Kindes ausgelöst wird.
1. Bitte achten Sie auf Ihre Erholung und ausreichend ruhige Mahlzeiten
2. Versuchen Sie allen Stress zu meiden
3. Geben Sie Ihrem Baby viel Körperkontakt, wenn Sie selbst entspannt sind.
4. Geben Sie das Baby möglichst ab, wenn Sie sehr engespannt sind.
5. Machen Sie sich keine Vorwürfe, sondern nehmen Sie die schwierige Aufgabe an und versuchen Sie geduldig zu sein. Meist ist es mit 3 Monaten vorbei! 
6. Suchen Sie professionelle Unterstützung durch eine Kinderphysiotherapie, eine EPB-Beratung oder eine Eltern-Baby-Therapie.
Ich hoffe, dass ich Sie -zumindest etwas- mit meiner Antwort beruhigen kann.
Alles Gute!