Katrin asked vor 8 Monaten

Wacht nachts 5-7x auf

Meine Tochter (10 Monate) wacht nachts ständig auf. 
Wir legen sie gegen 19:00 ins Bett. Einschlafen funktioniert halbwegs gut, ohne Flasche aber mit Händchen halten. Das 1x wacht sie gegen 00:00 auf, dann gegen 1:00, um 2:00 bekommt sie eine Flasche, um 4:00, um 5:30 bekommt sie wieder eine Flasche und gegen 7:00- 7:30 ist dann tagewache.
Um 0:00 und 1:00 reicht es meistens wenn wir ihr den Schnuller geben, aber danach schreit sie so, dass sie eine Flasche bekommt und/ oder wir uns neben sie ins bett legen. 
Im Elternbett war es noch schlimmer. Jetzt schläft sie im eigenen Zimmer, da war es anfangs besser, jetzt ist es wieder gleich. 
Tagsüber schläft sie vormittags manchmal 30min und nachmittags, wenn ich neben ihr schlafe ca. 2h, wenn nicht höchstens 50min und danach schläft sie nicht mehr ein, egal wie sehr ich es auch probiere. 
Ich bin schon sehr müde und würde gern mal wieder 4h am Stück schlafen. 
Danke im Voraus
Katrin

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 7 Monaten geantwortet

Hallo, es tut mir sehr leid Sie so lange nicht ein wenig getröstet zu haben. Nun geht die Technik wieder und ich  bin sehr froh, wieder Zugriff zu der Seite zu haben und wenigstens mit dieser Riesenverspätung endlich auf ihre Frage einzugehen. Wahrscheinlich sind Sie vorher schon so verzweifelt gewesen, dass eine schnelle Antwort wenigstens ein kleiner Lichtblick gewesen wäre. Leider habe ich aber mit der Technik so lange gebraucht. Ich hoffe sehr, dass es für Sie in der Zwischenzeit auch mal eine Entlastung durch andere liebe Menschen gegeben hat. Coronabedingt ist das ja alles noch schwieriger als zuvor. Vielleicht hat aber der lockdown auch schon dadurch dass weniger Abwechslung da ist auch ein wenig mehr Ruhe gebracht.
Nun aber konkret zu der Frage. Das nächtliche Aufwachen ist schrecklich und sehr belastend für Eltern, die dies seit Wochen mitmachen und ein Schlafdefizit aufbauen. Leider muss man aber lernen realistisch mit einigen Tatsachen umzugehen, auch wenn es vorübergehend schwierig ist. Dazu gehört, dass Babys ab 8 Monaten (meist mit 9 bis 10 Monaten) wieder einmal sehr viel lernen. Tagsüber freuen sich die meisten Eltern und sind auch stolz.  Wenn aber in den REM-Phasen das tags erlernte im Schlaf geübt wird und zu einer riesigen Unruhe führt, sieht das schon ganz anders aus. Wie intensiv Babys nachts die Hirnnernvenverknüpfungen ausagieren, kann man leider durch nichts beeinflussen. Schliesslich gibt es ganz ruhige Schläfer und sehr sehr unruhige Schläfer. Wenn wir uns bei jungen Tieren umschauen, dann können wir auch beobachten, dass einige im Schlaf „jagen“ und andere nicht. Diese Muskelzuckungen sind häufig von Geräuschen begleitet, schlimmstenfalls auch von heftigen Schreien. Das Problem ist, dass eine gute Mama oder Papa dadurch sofort alarmiert sind und schnell Trost geben wollen. Wenn gut Zureden und Streicheln nicht reichen, bieten sie etwas zu trinken an. Auch wenn das Baby keinen Durst hat, kann es dann nicht widerstehen und nuckelt. Einige haben so einen Zug, dass eine Flasche nicht reicht. Aber nie ist das Trinken die Lösung dieser nächtlichen Unruhe durch heftige Traumaktivitäten. Sie werden auch feststellen, dass die Kinder weniger Schlafmangel als die Erwachsenen haben. Wenn Sie dies lesen, werden Sie womöglich denken, dass man aber etwas tun muss, weil das Kind sich sonst in seine Unruhe und sein Schreien hineinsteigert und man es dann nicht mehr „runterkriegt“. Das ist eine tiefsitzende Erfahrung aus dem Beginn der Babyzeit, in der das Kind noch so vollkommen auf die Eltern zur Beruhigung angewiesen war und ausserdem spätestens nach 4 Stunden wieder nach Nahrung verlangte. Doch jetzt ist es anders, weil ein 10 Monate altes Kind schon viel Erfahrung mit Selbstwirksamkeit und Selbstregulation machen konnte auf die es auch in der Nacht zugreifen kann. Wie es scheint, ist das bei ihrem Baby nicht der Fall. Ich schliesse es daraus, dass es auch zum Mittagsschlaf nur einen Schlafzyklus von 50 Minuten zum Ausruhen nimmt aber diesen nicht mit einem zweiten verbinden kann ohne dass die Mama stark hilft. Bitte fühlen Sie sich nicht dafür kritisiert, denn es kann durchaus daran liegen, dass Sie ein reizoffenes Kind haben oder dass Sie beide eine Vorgeschichte haben und die Sorge aus der Vergangenheit immer wieder beim Schreien des Kindes auftaucht. Machen Sie sich auf keinen Fall Sorgen, dass Ihr Kind nicht genug schläft. Das tut es, wenn auch viel lebhafter und lauter als es für Sie gut ist. Dass  Sie Schlafmangel haben, ist kein Wunder. Aber Sie können nur durch eigene Entspannung eine Besserung bekommen. Versuchen Sie den Tip: legen Sie sich früher hin und schlafen bis Mitternacht mal 4 Stunden am Stück. Danach Wechsel mit Papa, jeder bekommt mal eine vollständige 2. Nachthälfte. In der unruhigen Phase immer wieder versuchen möglichst nur beim Kind zu sein und es auszuhalten, ändern ist meist keine Verbesserung. Wenn das Kind am Tag unterwegs ist, in dieser Phase der Loslösung emotional immer verfügbar zu sein, es mit Blick und Stimme begleiten, es Anteilnehmen lassen an ihrem Tun, ganz viel Kuscheln am Tag und auch ruhige Beschäftigungen suchen, können helfen. Manchmal ist es aber so schlimm, dass man „maßgeschneiderte“ Tips benötigt, die es zum Beispiel in unseren EPB-Beratungen gibt. Wichtig: wenn Sie erschöpft sind, tun Sie unbedingt etwas für sich. Die Babys spüren es genau, wenn es uns nicht gut geht und reagieren dann manchmal viel anklammernder. Melden sie sich gern wieder! Die nächste Antwort kommt viel schneller. Alles Gute!