Alexa M asked vor 1 Monat

Regulationsstörung

Hallo, unser Sohn ist 4 Monate alt und wird voll gestillt. Er ist grundsätzlich sehr aufgeweckt, fokussiert unheimlich viel und ist fröhlich. Jedoch kann er nur einschlafen und weiterschlafen, wenn ich ihn an die Brust anlege. Er hat im 3.Lebensmonat seine erste abendliche Schlafphase von 3-5 Std ausgebaut und wurde danach öfter wach. Mittlerweile schläft er grundsätzlich nur noch 40-90min und muss danach an die Brust um in einer Art Halbschlaf relativ schnell wieder einzuschlafen. Mache ich das nicht, wacht er komplett auf und weint sehr sehr lautstark (er hat ein unglaublich lautes Organ). Der Papa kann ihn gar nicht beruhigen und auch bei mir hilft grundsätzlich kein gutes Zureden, streicheln oder wiegen…er möchte nur an die Brust. Da die Abstände so kurz geworden sind, wird es nach 4 Wochen auch langsam merklich anstrengender für mich. Auch tagsüber lässt er sich mittags zwar nach dem Einschlafen an der Brust ablegen, schläft dann aber nur max. 20 min , auf dem Arm meist länger. Wir haben schon einen sehr strukturierten Alltag, ich gehe jeden Vormittag mit Kinderwagen u Nachmittag mit ihm im Tuch raus, auch hier schläft er immer ein, aber nur für 30-40min. Ich kann ja nicht seine Tagesschlafzeit weiter kürzen, dann könnte ich nicht mit ihn raus, denn dort schläft er mir ja ein.
Was können wir tun? Ihn anfangs nach dem Aufwachen nicht an die Brust zu nehmen haben wir versucht, aber er schreit so laut, dass es viel stressiger ist Und sehr lange andauert als ihn anzulegen. Gerade die Lautstärke des Schreiens ist dann nachts kaum erträglich (auch für die Nachbarn).
Beste Grüße

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 1 Monat geantwortet

Hallo, danke dass Sie sich melden. Das klingt ja wirklich sehr anstrengend. Ich habe den Text mehrfach gelesen, um den Rhythmus zu erfassen, weil ich merkte, dass ich mir nicht so recht vorstellen konnte, wann die Wach- und Spielzeiten, die Mahlzeiten und die Schlafenszeiten wirklich sind. Alles schien mir sehr ineinander über zu gehen, obgleich Sie ja den Tagesablauf bereits gut strukurieren. In diesen Fällen ist es sehr hilfreich ein 24 Stundenprotokoll zu führen, um den Eigenrhythmus des Kinder zu kennen. Sollte dieser sich noch nicht so recht abzeichnen, kann man versuchen, in winzigen Schritten Abstände zu dehnen. Da Sie da bereits einiges versucht haben und er schnell ungeduldig wird, kann ich gut verstehen, dass Sie schauen, dass er schnell beruhigt wird. Genau das ist jetzt das Thema. Mit 3 Monaten kommt es zu einer enormen Reife im Gehirn der Babys. Sie beginnen mehr und mehr von der Welt wahrzunehmen und das ist sehr aufregend. Entsprechend müssen sie jetzt lernen auch wieder zu entspannen und sich selbst regulieren zu lernen. In Ihrem Fall würde ich noch nicht von einer Regulationsstörung sprechen, aber auf alle Fälle neigt er dazu sich zu überfordern und muss darin unterstützt werden, sich selbst ein wenig zur Ruhe zu bringen. In dem Alter lernen die Babys ihren Körper besser kennen, zum Beispiel betrachten sie die Händchen, greifen mit Augenkontakt und bringen sie in den Mund. Das beruhigt sie. Sie betasten auch gern den eigenen Körper und lernen durch Gewihtsverlagerung auf die Seite zu rollen, wo die Welt wiedr ganz anders aussieht.
All das braucht viel Zeit. Am Besten findet es am Boden auf einer Decke statt, wo sie auch sitzen, Haushaltssachen erledigen können oder nur ihrem Baby zuschauen. Wenn es ihren Blick spürt, ihre Stimme hört und vielleicht ihre Hand auf seiner Brust fühlt, dann kommt es zur Ruhe ohne zu trinken.
Wenn ihr Baby sehr aufgewühlt ist, konzentrieren Sie sich selbst auf eine tiefe ruhige Ausatmung. Ihre tiefe Ruhe strömt dann auch auf ihr Kind. Es ist auch das ideale Alter für Babymassage. Achten Sie immer auf ihre Atmung, damit ihr Baby sich an ihnen ein Vorbild nimmt. Natürlich sind dies nur allgemeine Tips, die bei den einen super wirken und bei den anderen gar nicht überzeugen. Wenn Sie etwas probieren, denken Sie daran, dass das ganze Leben für Ihr Baby erstmalige Erfahrungen bereithält. Beim ersten mal kann es noch gar nicht erkennen ob es etwas mag oder nicht. Daher wird es immer wieder Altbekanntes zur Beruhigung bevorzugen, was es von der Entwicklung her „eigentlich“ nicht mehr müsste. Aber Reifung erfolgt nach einem groben Ablaufplan aber nicht nach Tabellen. Vielleicht ist gerade hier hellwaches Baby so überfordert, was es mit seinen 4 Monaten schon alles Tolles sieht, dass es zwar überfordert ist, aber andererseits nicht loslassen kann und nicht bis zum Abschalten kommt. Dann ist es Zeit den Tag mit allen Attraktionen zu überdenken und es vielleicht etwas langweiliger angehen zu lassen?´
Ich würde Ihnen ev. eine persönliche Beratung empfehlen, weil meist gut tun kann mehr als ein paar Tips zu bekommen. Übrigens ein tolles Weihnachtsgeschenk: Babysittergutscheine und Beratungsgutscheine schenken lassen. Alles Gute!