Nathalie fragte vor 5 Monaten

Wut und Verzweiflung

Mein Sohn Mathis ist jetzt 17 Monate alt. Genau so lange habe ich keine Nacht länger als drei Stunden am Stück geschlafen. Das erste Jahr habe ich alle 2-4 Stunden gestillt, weil er sich anders nicht beruhigen ließ. Dann hatte ich keine Kraft mehr und musste zudem wieder anfangen zu arbeiten. Wir haben erst tagsüber auf die Flasche umgestellt – was gut geklappt hat – dann wollten wir es nachts versuchen. Eine Woche ging es gut, seit dem hat sich für uns die Hölle aufgetan. Nun wacht er zuverlässig zwischen 0 und 1 Uhr auf und schreit, schreit und schreit. Stundenlang. Wir haben alles probiert: Flasche geben, Wasser anbieten, tragen, im Bett beruhigen, mit in unser Bett nehmen, kleines Nachtlicht, Fön-Geräusch, wickeln, bei Bedarf Nasentropfen.. die Liste scheint unerschöpflich. Aber wir sind erschöpft. Und frustriert, weil keine Maßnahme hilft und er nach stundenlangem schreien letztlich vor Erschöpfung einschläft.
Mittlerweile regt sich in mir Wut und Verzweiflung, ja sogar eine grundsätzliche Ablehnung gegenüber meinem Kind. Ich bin tagsüber zu schwach mich mit ihm zu beschäftigen, liege oft nur apathisch neben ihm auf dem Boden im Kinderzimmer und stecke mechanisch Duplo-Steine ineinander. Es strengt mich an seine Bedürfnisse zu befriedigen. Essen, wickeln, anziehen: Ich würde am liebsten einfach weglaufen.
Aber ich bin isoliert, wochentags und wochenends allein mit ihm. Es gibt keine Zeit für Erholung.
Wenn ich ehrlich bin, ich habe Angst das ich mich von meinem Kind „entliebe“, dass ich wieder in Depressionen verfalle und zur vollkommenen Handlungsunfähigkeit erstarre. Es fühlt sich schon ziemlich so an.
„Kinder geben einem viel und bereichern das Leben“ – dieser Spruch erscheint mir wir Hohn. Mein Leben fühl sich nicht bereichert, sondern ruiniert an. Ich bekomme nichts und gebe alles.
Schlimm, dass diese Gedanken mich beherrschen. Stattdessen sollte ich meinem Sohn beim aufwachsen zusehen und mich an seinem Lachen erfreuen. Aber ich kann es mittlerweile nichtmal mehr ehrlich erwidern.
Wir haben den Kinderarzt mehrfach auf das Thema angesprochen. Leider kam als Antwort jedes Mal: Schreien lassen und durchhalten. Wir haben es probiert, jetzt ist die Situation unerträglich. Hätten wir früher interveniert und das Problem in den Griff bekommen, wäre ich jetzt vielleicht nicht so am Ende. Aus dem Schlaf-Problem ist ein Alles-Problem geworden.
Was können wir tun?

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 5 Monaten geantwortet

Vielen Dank, dass Sie uns vertrauen und selbst erkannt haben, dass Sie jetzt sofort Hilfe brauchen. Es tut mir so leid, dass Sie bisher ohne konkrete Hilfe allein mit der Hoffnung waren, dass es von allein besser wird. Leider kommen immer wieder völlig erschöpfte mutlose Eltern zu uns, die sich mit Schuldgefühlen plagen, weil sie keine Kraft mehr für ihr Kind haben. Aber das würde jedem Menschen an Ihrer Stelle so gehen.
Kein Mensch kann unerschöpflich viel Liebe aufbringen, wenn die Kräfte nicht mehr da sind. 1 ½ Jahre ohne ausreichenden Schlaf kann kein Mensch ohne Folgen aushalten.
Mit dieser Erschöpfung brauchen Sie dringend eine Unterstützung, die einmal in einer Schlafberatung bestehen sollte und zum anderen brauchen Sie für sich selbst Hilfe, um wieder mehr Kraft zu tanken. Sie nennes das sehr richtig ein „Alles-Problem“. Dafür gibt es eine Lösung, die Sie schnell mit Hilfe einer Schreibabyambulanz finden können.
Wenn Sie mir Ihre Postleitzahl mitteilen, kann ich ihnen in Wohnortnähe eine geeignete Beratungspraxis nennen, in der Sie für diese beiden Ziele professionell beraten werden.
Wut und Verzweiflung durch die extreme und langdauernde Belastung sind jetzt berechtigt, aber schreckliche Gefühle, von denen ich Sie gern ein wenig entlasten möchte. Sie sind trotz allem eine großartige Mutter, denn Sie haben sich nicht an den schlechten Rat gehalten, Ihr Kind einfach schreien zu lassen, sondern versucht ihm zu helfen. Doch ohne Hilfe ging es nicht. Es gibt Babys, die sich sehr schwer regulieren können. Dafür gibt es Schreibabyambulanzen. Sehr gern empfehle ich Ihnen eine Ambulanz in der Nähe Ihres Wohnortes und auch Hilfe für Sie selbst, wenn Sie uns schreiben unter info@vonanfang.de