Unruhiger Schlaf und stündliches ErwachenKategorie: SchlafschwierigkeitenUnruhiger Schlaf und stündliches Erwachen
Carola-H. fragte vor 9 Monaten

Unruhiger Schlaf und stündliches Erwachen

Meine Tochter, 20 Wochen alt, war schon immer eher eine schlechte Schläferin. In ihren ersten Lebenswochen war es sehr schwierig, sie überhaupt zum Schlafen zu bringen. Schlief sie allerdings dann einmal, war ihr Schlaf eigentlich gut (jeweils 3-4 Stunden Rhythmen), sodass die Nächte in den ersten Wochen relativ erholsam verliefen.

Das schwierge Einschlafen haben wir mittlerweile durch viel liebevolles und geduldiges Üben einigermaßen ohne Schreien im Griff  (nicht immer, aber doch in den meisten Fällen). Tagsüber schläft sie in einer Wiege und gelegentlich beim Stillen im Bett ein. Abends bringe ich sie nach Stillen und Ritual in ihr Kinderbettchen, wo sie einschläft.

Nun sind jedoch seit ca. der zehnten Lebenswoche die Nächte zum Problem geworden. Auf Schlafphasen von drei Stunden kommen wir nur noch selten. Häufig ruft sie stündlich nach mir. Nach dem Zubettgehen schläft sie zwei bis max. drei Stunden. Dann hole ich sie zu mir in ein 1,60m Bett im Kinderzimmer und stille sie. Und danach nimmt das nächtliche Unheil dann seinen Lauf. Sie schläft extrem unruhig und seicht, wacht immer wieder auf, wälzt sich, strampelt, weint auf, gähnt. Oft geht das stundenlang so. Alle Beruhigungsversuche meinerseits sind dann erfolglos. Einzig Stillen funktioniert, jedoch manchmal auch nur für kurze Zeit oder max. eine Stunde. Nehme ich sie hoch wacht sie komplett auf und findet dann noch schwerer zurück in den Schlaf. Schnuller wird nicht genommen.

Ich habe mittlerweile alles versucht, reizarme, strukturierte Tage, etc. Wenn ich sie in ihr Kinderbett zurücklege, ist es genauso schlimm, nur, dass ich dann zusätzlich noch dauernd auf den Beinen bin.

Oft ist sie nach einer solchen Nacht dann unausgeschlafen und tagsüber sehr quengelig.

Kurz zu den Schlafzeiten: Sie schläft zwischen 21 und 22 Uhr ein und steht zwischen 7 und 9 auf. In der Regel also zehn Stunden (unruhiger) Nachtschlaf. Dann schläft sie ca. eine Stunde vormittags, eine Stunde mittags, 40 min gegen 15/16 Uhr und 30 min zwischen 18 und 19:30. Zum Nachtschlaf liegen dann meist 2,5 – 3 Stunden.

Ansonsten ist sie ein sehr aufgewecktes, sehr extrovertiertes und interessiertes Kind. Neurologisch und körperlich laut Kinderarzt recht weit entwickelt für ihr Alter (68 cm, 7,5 kg).

Was kann ich tun, um ihr und mir einen besseren Schlaf zu ermöglichen? Ist dieses stündliche Erwachen normal oder besorgniserregend?

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

1 Antwort
Experte Dagmar Brandi hat vor 9 Monaten geantwortet

Liebe Carola, Sie haben alles so genau beschrieben, daß ich sehr mit Ihnen mitfühle. Erst einmal ist das Verhalten Ihres Babys sicher für Sie besorgniserregend, weil Sie mit Sicherheit einen chronischen Schlafmangel haben nach all der Zeit. Toll, daß Sie noch so geduldig sind. Besorgniserregend für ihr Kind scheint es mir nach Ihren Schilderungen gar nicht zu sein. Der Kinderarzt findet das Kind gut entwickelt, es gedeiht und wächst. Allerdings bekomme ich kein rechtes Bild davon wie aktiv Ihr Kind schon am Tag ist. Dreht sie sich? Greift sie? Nimmt sie Kontakt auf`Führt sie Gegenstände in den Mund und Nickel daran? Macht der „Babytalk“ Spaß mit ihr? Wie lange hält sie die Wachphasen durch? Merken Sie Ihr dann an, daß sie hungrig wird? Können Sie erkennen wann sie müde ist? Schläft sie dann schnell ein? Schläft sie ruhig? Aber Sie schreiben, daß Sie ein extrovertiertes Kind haben. Es gibt Kinder, die nur sehr schwer „runterkommen“ können. Schon der geringste Reiz läßt sie wieder hochschrecken. Von daher wäre es ratsamer, nicht mit dem Kind in einem Bett zu „schlafen“, da sie sich gegenseitig stören. Sondern besser das gestillte Kind in einem eigenen Bettchen im abgedunkelten sehr ruhigen Raum zum Schlafen legen- gern in einem Beibett. Wichtig also, die Wachphasen! Was für ein waches Baby haben Sie? Können Sie sich viel mit ihr beschäftigen oder sind Sie so übermüdet, daß Sie gar nicht mehr können sondern sich nur noch wünschen, daß Ihr Kind endlich schläft?  Sie können sich ein Schlafprotokoll aus dem Internet von Reno Largo runterlasen und dieses schon einmal führen, um sich diese Phasen anzuschauen. Ich würde Ihnen dringend raten, eine entwicklungspsychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, um herauszufinden ob und welche Signale Ihr Baby sendet , wenn es müde oder spielbereit ist, wenn es anhänglich oder ruhebedürftig ist. Und wie man es darin unterstützen kann den eigenen Rhythmus besser zu finden. Fast alle Babys tun dies automatisch im 4 Lebensmonat, doch bei einigen reifen diese Fähigkeit viel später und dann meist auch nur noch mit Unterstützung. Leider gibt es einen kleinen Anteil von Kindern, bei denen sich der Rhythmus überhaupt nicht von allein einspielt, das Warten also nichts nützt. Im eigenen Interesse sollten Sie das bald tun, denn Sie selbst benötigen mit Sicherheit mehr Schlaf als Sie zur Zeit bekommen. Wenn es irgendwie möglich ist, organisieren Sie jemanden, der mit Ihrem Kind tagsüber 1 bis 2 Stunden spazieren geht, so daß Sie sich zumindest tagsüber einmal ausruhen und pflegen können! Umso lieber spielen Sie mit Ihrem wachen Kind! Viel Erfolg! Bei Bedarf melden Sie sich bitte wieder! Dr. D. Brandi
 
z.B. Hier kann man sich das Schlafprotokoll runterladen:
http://www.leben-und-erziehen.de/wp-content/uploads/2013/04/schl0111_schlafprotokoll_korr.pdf