Unruhiger Schlaf und kein durchschlafenKategorie: SchlafschwierigkeitenUnruhiger Schlaf und kein durchschlafen
Kristina G fragte vor 3 Monaten

Unruhiger Schlaf und kein durchschlafen

unsere Tochter ist jetzt 6 1/2 Monate alt und ein sehr aufgewecktes, interessiertes, fröhliches gesundes Baby doch geschlafen hat sie noch nie gut. Momentan wacht sie mindestens 3-4 mal auf. Sie schläft gegen 20:30-21:00 durch das stillen ein und kommt dann in ihr Bett bei uns im Zimmer ( das erst seit einer Woche). Oft wacht sie dann nach 3 Stunden auf und mein Mann kann sie durch tragen beruhigen. Danach wird sie aber auch nach 2-3 Stunden Wieder wach und ich stille. Eigentlich möchte ich sie bald abstillen aber bin mir unsicher ob sie denn wegen Hunger wach wird.
Dieses ständige wach werden macht uns aber alle fertig und mürbe … oft weiß ich nicht wie ich den Tag schaffe ( mein Mann geht voll arbeiten und ich bin noch 6 Monate zu Hause). Tagsüber schläft sie auch nur 30 min am Stück. Ca. 3 mal. Man muss sie aber immer irgendwie rumtragend zum schlafen kriegen.
Sie ist so neugierig und man hat den Eindruck sie möchte alles und sofort lernen
Wie konnen wir sie im Schlaf unterstützen ? Wie kann sie durchschlafen lernen und auch alleine einschlafen lernen ?
und wie kann ich dabei meinen Wunsch abzustillen umsetzten ? ( sie bekommt mittags Brei aber isst noch nicht genug um satt zu sein. Flasche hat sie bisher nicht angenommen )

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 3 Monaten geantwortet

Vielen Dank für die Anfrage! Ich kann mir gut vorstellen wie belastend diese Daueranforderung und der Schlafmangel für Sie sind. Umso mehr freue ich mich über die liebevolle Darstellung des wachen und wißbegierigen Kindes. Und genau darin liegt auch die Antwort auf Ihr Problem: die Vorteile der Wachheit sind zugleich ein Nachteil. Doch beides sind die entscheidenden Entwicklungsaufgaben im ersten Halbjahr des Kindes. Um sich ab dem 2. Halbjahr auf unser Leben anpassen zu können, müssen Babys in den ersten 6 Monaten ihre Selbstregulation entwickeln. Das heisst die Zustände von Anspannung und Entspannung, von Aktivität und Ruhe, von Wachen und Schlafen sollen nicht mehr nur durch die Eltern passiv herbeigeführt sondern vom Baby mit gesteuert werden. Am Tag beobachten wir Kinder, die das wunderbar können, ihre Händchen zum Mund bringen, ihre Hände und Füße aneinanderlegen, ihren Blick abwenden, die Äuglein reiben und vielleicht auch noch Laute produzieren, um sich zu beruhigen. Manche Babys sind aber einfach zu neugierig, daher wehren sie sich gegen die Ermüdungszeichen und nehmen jeden neuen Reiz zum Anlaß wieder aufzudrehen. In diesem Fall benötigen sie die Eltern als Co-Regulatoren, die auch mit Worten die Gesten der Kinder begleiten und sie sanft zur Ruhe bringen. Je weniger Unterstützung man gibt, umso besser für das Lernen des Nachtschlafes. Mit einem halben Jahr sollte das Stillen nicht nur als Einschlafritual dienen, wenn man nicht in jeder Leichtschlafphase wieder geweckt werden möchte. Dann ist das Stillen vor dem Zubettlegen eine deutliche Zäsur, die das Kind schnell versteht. So ist auch nicht zu befürchten, dass es aufwacht, weil es beunruhigt ist, dass etwas verändert ist und die Brust vermisst. Mit 6 Monaten schlafen alle Kinder unruhiger, weil sie sich fortbewegen und viel Aufregendes erleben. Ich empfehle immer ein Schlafprotokoll über 24 Stunden zu führen, damit man allmälich den Eigenrhythmus des Kindes erkennt und sieht, welchen Eigenrhythmus ihr Baby hat. Diesen dann nur sanft unterstützen, aber nicht zu viele Hilfen anbieten. Eben immer nur so wenig wie möglich aber nicht mehr als nötig Hilfe von aussen. Wenn sich abzeichnet, dass es ein schöner Tagrhythmus ist, können die Eltern gemeinsam das Thema des Nachtschlafs angehen. Mit sechs Monaten benötigen Kinder nachts keine Nahrung mehr, aber sie können dem Duft der Muttermilch in nächster Nähe nachts nicht wiederstehen und suchen dann im Halbschlaf die Brust. Der Halbschlaf gehört aber zu unseren normalen Schlafphasen, die sich abwechseln. Wenn das Baby beim Papa schläft, wird es wahrscheinlich ohne den verlockenden Reiz von allein wieder in den Tiefschlaf kommen. Anfangs kann das noch etwas holprig sein aber dafür gibt es die wunderbaren Stufen des Tröstens des großen Babyliebhabers Brazelton. Leider kann ich das hier nicht mehr ausführen, bin aber gern bereit, mir das Schlafprotokolll schicken zu lassen, um vielleicht konkreter darauf einzugehen. Es lohnt sich sehr gerade im Interesse der Kinder ihre Selbstregulation zu unterstützen, weil die Kinder neben der Bindung unbedingt auch die Autonomie anstreben. Ich hoffe nur, dass ich mich verständlich machen konnte und Ihnen genug Mut machen konnte, damit Sie sich jetzt auf den Weg machen und nicht hoffen, dass es sich von selbst erledigt. Neugierige Kinder sind eben auch eine Herausforderung für die Eltern- und ein Riesengeschenk, weil sie so viel Freude machen können.