Unruhiger Schlaf und häufiges WachwerdenKategorie: SchlafschwierigkeitenUnruhiger Schlaf und häufiges Wachwerden
Stefanie fragte vor 4 Wochen

Unruhiger Schlaf und häufiges Wachwerden

Hallo!
Unser Sohn ist jetzt 6,5 Monate alt und hatte schon immer Schwierigkeiten mit dem Schlafen. Er schlief von Anfang an unruhig und wurde oft zwischen den Mahlzeiten wach. Unser Sohn ist ein aufgewecktes, sehr neugieriges und extrem kommunikatives Kind. Jeder wird bewusst angelacht und angestrahlt, auch um eine Reaktion zu provozieren. Er konnte sich mit 6 Wochen bereits vom Bauch auf den Rücken drehen bis er ca. 3 Monate alt war. Danach wurde er zu schwer und hat es “verlernt” und jetzt erst mit ca. 6 Monaten wiederentdeckt, kann sich aber nun vom Rücken auf den Bauch drehen. Sonst ist er absolut in der Zeit in der Entwicklung, wächst und gedeiht. Er mag gern Leute um sich, gern viel Action, rausgehen und herumschauen. Unser Start war schwierig und ich muss verständnishalber kurz hierzu ausholen. Ich lag 6 Monate im Bett, davon 2,5 Monate mit Wehentropf und immer wiederkehrenden Blutungen im Krankenhaus. Ich musste 3 Mal per Notarzt eingeliefert warden, da ich soviel Blut verloren hatte und die Schwangerschaft auf dem Spiel stand. Unser Sohn kam dann per Kaiserschnitt 10 Tage vor Termin total gesund auf die Welt. Ich war jedoch schwer angeschlagen und nach der Geburt psychisch und physisch am Ende. Es drohte die Einweisung wegen Verdacht auf postpartaler Depression (wieder) in ein Krankenhaus. Das wollte ich nicht. Daher holten wir uns privat Hilfe. Von der 4. Lebenswoche bis ca. 4,5 Monate hatten wir Unterstützung durch eine professionelle Nacht-Nanny bei uns Zuhause, deren Hilfe wir ab dem 2. Lebensmonat nach und nach reduziert haben. Die restliche Zeit habe ausschließlich ich ihn bzw. an den Wochenenden auch mein Mann ihn betreut. Sie hat unseren Sohn in seinem Zimmer von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr betreut. Unser Sohn schlief bei ihr schlecht, sehr unruhig und hatte häufig auch Wachphasen von bis zu 2 Stunden. An den Tagen wo wir ihn betreut haben, hatte er keine Wachphasen, war jedoch ebenfalls unruhig und häufig wach wegen dem Schnuller. Geschrien hat er meist nur kurz und ließ sich wenn immer gut beruhigen. Das ist auch bis heute so. Nachdem wir die Nachtbetreuung dann komplett allein gemacht haben, schlief unser Sohn sofort für ca. 1 Monat durch, von 19:30 Uhr – 8:00 Uhr, mit 2 Flaschen um 01:30 und 6:00 Uhr. Er war da ca. 4,5-5,5 Monate alt. Nach einer Impfung wurde dann der Schlaf instabiler. Die Zeiten für die Nachtflaschen blieben, jedoch wachte unser Sohn dazwischen öfter auf, weil er den Schnuller verloren hatte. Seit ca. 2,5 Wochen ist es nun ganz durcheinander. Er trinkt nach wie vor 2 Flaschen, jede Nacht aber zu anderen Zeiten. Er wacht häufig auf und muss aus dem Bett genommen werden da er sich sonst nicht beruhigt und schläft dann nur im Arm oder auf mir weiter. Tagsüber ist unser Rhythmus immer gleich. Aufstehen geg. 8:00 Uhr, 2 Tagschläfchen ca. 1-1,5 h am Vormittag und Nachmittag, feste Zubettgehzeit mit Ritual um 19:30 Uhr seit unser Sohn 2,5 Monate alt ist. Das Einschlafen klappt immer super. Ich muss vielleicht erwähnen, dass unser Sohn tagsüber nur auf mir schläft. Da mein Mann hauptsächlich die Nächte macht (ausschliesslich von 00:00 Uhr bis 05:30 Uhr) fand ich das für die Bindung wichtig, dass er mich da spürt. Das mache ich schon seit Anfang an so. Wenn wir unterwegs sind schläft er viel weniger und auch nur aus Erschöpfung. Trotz Müdigkeit aktivieren ihn neue Reize bis er überdreht, das heisst er schafft das Schlafen nur mit meiner Hilfe. Wie können wir unserem Kind helfen besser und stabiler zu schlafen? Sehen Sie ein Problem darin, dass ich als Mutter nachts diese 5 h sozusagen nicht zur Verfügung stehe (ich mache bis 00:00 Uhr und dann bringt mein Mann ihn mir um 05:30 Uhr und er schläft bis 8:00 Uhr auf mir weiter) und in der Vergangenheit nachts nicht immer da war? Die Tagbetreuung von 5:30 Uhr bis am Abend 00:00 Uhr mache ausschließlich ich, da wir keine Familie, Oma, Opa etc. hier haben.
Herzlichen Dank
Stefanie

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 4 Wochen geantwortet

Vielen Dank für die Frage und die vielen hilfreichen Informationen. Es ist wirklich eine sehr lange Geduldsprobe, auf die Sie gestellt worden sind und ich finde es bemerkenswert wie Sie sich bis hierher durchgekämpft haben, obgleich sie so wenig Unterstützung hatten.
Besonders berührt bin ich auch davon, dass Sie immer die Fürsorge für Ihren Sohn vor das eigene Wohlergehen gestellt haben. Gemessen an allen Schwierigkeiten ist die Entwicklung Ihres Kindes sehr gut verlaufen, so dass Sie sich wirklich nicht mehr sorgen sollten. Ganz konkret meine ich dies in Bezug auf die Bindung. Am Anfang des Lebens ist diese ganz körperlich, doch allmählich reichen Blickkontakt, Stimme und schließlich auch das Wissen um die Zuverlässigkeit der Eltern, das Vertrauen und die dabei entstehende Liebe. Diese Bindung entsteht in kleinen alltäglichen Handlungen wie bei der Pflege und beim Essen, weniger beim Schlafen. Daher ist es irgendwann nicht mehr altersgemäß den engen Körperkontakt in der Nacht zu suchen. Diese Ablösung muß langsam und angemessen an die Selbstständigkeitsentwicklung des Babys erfolgen. Mir scheint, dass Sie ein hellwaches und sehr begeisterungsfähiges Baby haben, welches sich immerhin schon so gut allein regulieren kann, dass es keine Probleme hat allein einschlafen zu können. Von daher sehe ich keinen Grund warum er nicht auch in der Nacht leicht wieder einschlafen könnte. Es ist völlig normal, dass die Babys sehr unruhige Traumphasen haben und dann wieder in den Tiefschlaf fallen. Einige Babys, die so kommunikativ sind wie Ihr Sohn, haben eher Probleme ohne Hilfe in den Tiefschlaf zu kommen. Nun kommt es darauf an, dass Sie ihm altersgemäße Unterstützung geben. Dass er die ganze Nacht in enger Umarmung mit Ihnen liegt, verhindert seine Entwicklung in der Selbstregulation. Wieviel er schon kann und wieviel Sie ihm geben können, ist nur in einer mail schwer zu entscheiden. In unseren Beratungen arbeiten wir mit kleinen Videoclips, in denen die Eltern selbst erkennen können was ihr Baby schon kann oder ob es sehr viel Unterstützung benötigt, um in die innere Balance zu kommen. Den Trost, den Sie Ihrem Sohn dann anbieten, können Sie stufen, damit er weder Stress empfindet noch völlig auf Sie angewiesen bleibt. Aus dem was Sie über Ihren Sohn berichten, entnehme ich, dass er es wahrscheinlich schnell aufnehmen kann, dass Sie ihn lieben aber es ihm auch zutrauen, ein wenig selbständiger zu werden. Sie haben allein durch den Schwangerschaftsverlauf und die durchstandenen Ängste so viel Kraft aufgewendet, dass es wichtig ist, dass Sie sich Hilfe geholt haben. Damit haben Sie Ihrem Sohn eine gute Entwicklung ermöglicht. Um jetzt den nächsten Schritt zu gehen, ist es so gut, dass Sie um Hilfe nachgefragt haben. Wenn Sie über diese Ratschläge hinweg noch mehr Hilfe benötigen, empfehle ich Ihnen Entwicklungspsychologische Beratungen in Anspruch zu nehmen. Es reichen meist schon 3 Beratungen, um sich sicherer zu fühlen und wieder mehr Kraft zu schöpfen. Ich wünsche Ihnen dies. Falls Sie an Ihrem Wohnort eine Empfehlung für eine Beratung benötigen, schreiben Sie uns gern.