Mittagschlaf adieu?! Mit 21 Monaten?Kategorie: SchlafschwierigkeitenMittagschlaf adieu?! Mit 21 Monaten?
Sandra D fragte vor 2 Wochen

Mittagschlaf adieu?! Mit 21 Monaten?

Guten Tag,
Schlaf und meine Tochter….das passt nicht zusammen.
Schon immer war der Schlaf bei uns ein großes Thema. Weil unsere Tochter sehr ‚Reiz offen‘ ist und schlecht ohne Hilfe zu Ruhe kommen kann, haben wir schon vieles ausprobiert. Aus der Zeit wo nur White Noise und Federwiege geholfen haben sind wir aber schon raus gewachsen.
Es lief sogar kurz richtig gut. Sogar den Mittagschlaf hat unsere Kleine in ihrem Bett gemacht. Doch seit ein paar Wochen ist der Wurm drin. Ich habe das Gefühl, immer, wenn sie sich irgendwie weiter entwickelt, reagiert sie mit Schlaflosigkeit. Zähne, Laufen, immer mehr sprechen….. Alles führt zu dieser Unruhe, die sie nicht schlafen lässt. Bzw, die dazu führt, dass sie nicht schlafen will. Im Moment ist es wieder ganz schlimm.
Seit ein paar Wochen schläft sie tagsüber gar nicht mehr. Ich habe jetzt 14 Tage ein Protokoll geführt und heraus kam, dass sie im Durchschnitt 10 Std schläft. Ist das nicht viel zu wenig für ein 21 Monate altes Kind?
 
Sie ist tagsüber gut drauf, hat aber auch müde Phasen in denen sie sich die Augen fast aus dem Kopf reibt. Will ich sie dann hinlegen, weint sie aber, weil sie nicht schlafen möchte. Der Kinderwagen ist auch kein Schlafgarant mehr. Nur im Auto schafft sie es abzuschalten. Leider fahren wir sehr selten mal Auto 😉
Meine letzte Taktik war: Ich lege mich hin und warte, ob sie sich auch ausruhen will. Dann sagt sie aber nur: ‚Mama müne‘ und geht in ihr Zimmer und spielt alleine…..das schafft sie locker 1Std lang.
Abends schläft sie mit Begleitung ein und dann in ihrem eigenen Zimmer. Selten schläft sie auch mal durch. Meist wacht sie 1 mal auf und lässt sich schnell beruhigen. Manchmal klappt das aber auch gar nicht gut und sie weint und schreit. Dann scheint es als wäre sie gar nicht richtig da…… Sondern als wäre sie irgendwo zwischen wach und schlaf gefangen. Dann braucht sie sehr lange um sich wieder zu beruhigen. Die armen Nachbarn…..
 
Mein Problem ist, dass ich ja sehe wie müde sie tagsüber ist und, dass ich denke sie bräuchte mehr Schlaf.
Ist sie vielleicht schon chronisch übermüdet?

Hoffe auf Tipps und Anregungen
Beste Grüße

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 2 Wochen geantwortet

Vielen Dank für die Frage und die genaue Schilderung Ihres Kindes. So kann ich mir zumindest etwas vorstellen wie anstrengend es für Sie ist, wenn Ihr Kind so schlecht abschalten kann. Es ist auch ganz toll, dass Sie uns genau die Schlafdauer mitteilen können, weil Sie über 14 Tage ein Schlafprotokoll geführt haben. Wenn Sie das Protokoll von unserer Webseite heruntergeladen haben, können Sie auch den persönlichen zirkadianen Rhythmus Ihres Kindes erkennen. Sind dort die sehr wachen und fröhlichen Phasen deutlich abgegrenzt von den eher nörgeligen durch Unlust geprägten Phasen? Gibt es eine erkennbare Struktur der Mahlzeiten, der Spielzeiten und der Aktivitäten im Freien?
Offensichtlich geht Ihr Kind nicht zu einer Tagesmutter, einen anderen Betreuung oder Krippe, wo sie sich dem vorgegebenen Rhythmus anpassen muss. Damit haben Sie es etwas schwerer, weil sie die Mittagsruhe mit ihr persönlich aushandeln müssen.  Zwar gibt es Vielschläfer und Wenigschläfer, zu den letzteren gehört offensichtlich Ihre Tochter. Dann käme sie mit 10 bis 11 Stunden Schlaf tatsächlich aus. Andererseits sehen Sie, dass sie nicht wirklich damit auskommt und tagsüber öfter mal eine Pause gebrauchen könnte- wie man es ja auch beim Autofahren erkennen kann.
Von daher bestärke ich Sie darin, ihrem Kind die eigentlich noch sinnvolle Pause am Tag versuchen nahezubringen. Sie haben ja wirklich alle Maßnahmen durch und sehen, dass Ihr Kind sich schön und ruhig allein beschäftigen kann, aber das Einschlafen verweigert, weil sie in Wirklichkeit lieber spielen möchte. Die Fähigkeit Ihres Kindes so intensiv allein zu spielen, ist schon bemerkenswert und deutet nach meiner Meinung darauf hin, dass sie wirklich ein sehr wacher Geist ist, den viel beschäftigt. Sicher haben Sie als Mama gelesen wie wichtig der Schlaf für die Ausschüttung von Wachstumshormon und die neuronale Befestigung von Gelerntem ist. Darüber müssen Sie sich nicht sorgen, denn das betrifft den Nachtschlaf. Leider kursieren im Netz einige ungenaue und teilweise irritierende Informationen. Doch sie als gut beobachtende Mama machen sich mit Recht darüber Gedanken, ob ihr Kind nicht einfach mal am Tag mehr runterkommen sollte, um in der zweiten Tageshälfte noch genug Power zu haben.
Dazu würde ich natürlich lieber Sie beide vor mir sehen und gezielt Tips geben. Falls Sie dies wollen, könnten Sie sich per mail bei uns melden. Doch auch ohne dass wir uns sehen, möchte ich Sie bitten -falls noch nicht geschehen – den Tagesablauf sehr gut zu strukturieren. Die sehr offenen Kinder sind immer auf der Suche nach Neuem und Aufregenden und nur wenn es eintönig wird, können sie zur Ruhe kommen. Dazwischen sollen sie unbedingt viel Input anbieten und wichtig immer in der Beziehung zum Kind. Auf keinen fall digitale Zerstreuung. In dem Alter lieben Kinder zu helfen, geniessen aber auch besonders viele Aktivitäten an der frischen Luft (möglichst Natur), die körperliche Anstrengungen abverlangen. Dann besprechen sie mit ihrem Kind, dass sie vorhaben einen kuscheligen Schlafplatz zu bauen, damit es sich echt ausruhen kann aber nicht spielen soll. Sie würden es wecken, sobald sie die Küche aufgeräumt haben (oder etwas anderes langweiliges). Der Ruhe-Platz kann eine Höhle sein oder ein eigenes Bett- wichtig ist es nie etwas zu variieren. Je nachdem wann Mittag ist, planen sie lieber einen frühen Schlaf ein. Wenn es zu spät ist, sind Kinder oft über den Punkt. Dazu sollten sie ein passendes Ritual benutzen: Essen, Zähne putzen, Ausziehen, Buch angucken, Zimmer abdunkeln und nach den Stufen des Tröstens versuchen ihr Kind zur Ruhe zubringen und schauen wie weit ihr Kind sich darauf einlassen kann. Wichtig ist eine Vorhersagbarkeit und die Wiederholung. Sie können anfangs ihr Kind nach einer Weile rausholen, wenn es auch noch gar nicht geschlafen hat, aber etwas geruht. Sie gehen immer wieder weg und sagen, z.B. die Küche ist noch nicht aufgeräumt aber sie kommen gleich. So versteht sie, dass Sie ihr zutrauen kurz allein zu bleiben, andererseits aber sie wirklich zuverlässig ganz nah sind und nach ihr schauen. Sie wird anfangs öfter „checken“ und irgendwann merken, dass sie nichts verpasst und Mama wirklich aufpasst und ihre Ruhe bewacht.
Dieses Vorgehen ist nun ein Vorschlag, Sie können es so gestalten wie es zu Ihnen passt. Wichtig in dem Alter ist ein Aushandeln, von dem beide etwas haben: das Kind die Sicherheit und die Mutter, die Gewissheit, dass das Kind etwas ausruhen lernt. Zweijährige lieben diese Art von Aushandeln. Wichtig ist, dass sie ihr Ziel klar definieren und nur über den Weg dahin mit ihr handeln. Aber lernen erfordert viele Wiederholungen und reizoffene Kinder tun sich sehr schwer mit Wiederholungen – sie dürsten geradezu nach Neuem. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie etwas von meinen Tips praktikabel finden und gern auch mit weiteren Fragen auf uns zukommen. Die Unterbrechung des Nachtschlafs durch heftige Träume ist in dem Alter normal. Je leichter ihre Tochter am Tag allein lernt zur Ruhe zu kommen, umso leichter wird sie auch die Verbindung zwischen einzelnen Schlafphasen in der Nacht knüpfen können. Die starke Unruhe deutet darauf hin, dass sie in einer Traumphase ist, in der man sie nicht erreichen kann. Die meisten Kinder schaffen es allein, danach wieder tief zu schlafen. Das wird bei ihrer Tochter auch immer leichter der Fall sein. Autofahren ist zwar einlullend, aber nur für die Zeit des Fahrens wie eben auch die Federwiege und dient nicht der Selbstregulation. Viel Erfolg für Sie und liebe Grüße