Lässt sich nicht von Vater hinlegen/beruhigenKategorie: EntwicklungsfragenLässt sich nicht von Vater hinlegen/beruhigen
Nadine J fragte vor 4 Wochen

Lässt sich nicht von Vater hinlegen/beruhigen

Sehr geehrte Damen & Herren, 
 
seit längerer Zeit lässt such unser Sohn (23Monate) nicht mehr von seinem Vater hinlegen (tags und nachts) und wieder beruhigen, wenn er nachts aufwacht. 
In der Tat habe diese Aufgabe meist ich übernommen, da mein Mann sehr häufig beruflich Unterwehs war, häufig auch 1 Woche, und das Kind dann immer schon eher protestiert hat. Wir haben es aber immer wieder mal in Angriff genommen dies zu ändern wenn der Vater längere Perioden zuhause war oder im Urlaub. Gelegentlich hat es mal funktioniert – dennoch hatten wir nie eine feste Routine und ich den Großteil dieser Aufgabe. Mein Mann hat sich da leider nie besonders motiviert gezeigt und schnell bei Protest verunsichern lassen. Ich war bisher nur an 2 WE seit der Geburt mal weg und sonst immer da. Da hat es einmal sehr gut funktioniert, einmal sehr schlecht. Nun hatten wir auch des öfteren die Situation dass ich abends mal aus war und immer zurück kommen musste weil mein Mann das Kind nunmal nicht wieder beruhigen konnte. Ich fühle mich allmählich von dieser Situation sehr belastet und möchte das ändern. Ich traue mich nicht mehr abends auszugehen, kein Theater oder gar einen anderen Stadtteil zu besuchen aus Angst, das Kind wacht auf und hat Angst. Ich muss zum schlafen legen heim kommen – dadurch ist nun auch ein Ungleichgewicht in unserer Eltern Beziehung und Partnerschaft entstanden was inzwischen zu viel Streit führt. 
Wir würden das alles sehr gerne ändern aber wissen nicht genau wie. Für uns wäre wichtig zu wissen – wie schlimm ist solch eine Situation für das Kind wirklich? Muss er diese Situationen einfach durchstehen? Welcher Weg wäre der Richtige um die Vater/Sohn Bindung dafür zu stärken? Ein konsequenter neuer Rhythmus der Aufgabenverteilung? Und dann Protest durchstehen bis es sich legt? Ode sollte ich mal ei paar Tage wegfahren und sie ihren Weg finden lassen?
Ich würde mich wirklich sehr über einen Rat freuen! oder auch einer Adresse, an die ich mich wenden kann. Vielen Dank!
 
 

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 3 Wochen geantwortet

Liebe Nadine,
die Kinder binden sich an eine Hauptbindungsperson und solange diese da ist, geben sie sich nicht mit den anderen vertrauten Bindungspersonen ab. Je enger die Bindung an die Mutter ist, desto schwieriger gestaltet sich das Akzeptieren der anderen Bindungspersonen. Dies ist eine biologisch sehr sinnvolle Rangordnung, weil das Kind sich immer an den Menschen hält von dem es sich die größte Sicherheit verspricht. Dies ist in Ihrem Fall nun leider nicht der Papa. Aber dies ist nicht nur, weil er diesen in entscheidenden Entwicklungsstufen nicht so eng erlebte, sondern weil bei ihm jetzt mit 2 Jahren eine eigene Willensentscheidung dazu kommt. In Ihrem Fall hilft viel Druck überhaupt nicht. Aber auch eine Trennung von Ihnen verhilft ihm nicht zu der Sicherheit, die er beim Papa nicht findet. Sie benötigen beide jetzt liebevolle Konsequenz. Damit meine ich, dass Sie die Verrichtungen des Alltags nicht dem Papa überlassen, sondern erst einmal Papa und Sohn gemeinsam neue Erfahrungen machen lassen, die nicht in Konkurrenz mit ihren mütterlichen Aufgaben treten. Zum Beispiel den Sohn beim Handwerken, bei Gartenarbeit, bei Autopflege oder beim Einkaufen einbeziehen oder auch etwas gemeinsam spielen was für das Kind attraktiv ist. Lassen Sie sich gern dabei einbeziehen, aber loben Sie immer wieder ihren Mann oder sagen Sie, dass Sie es toll finden, was die beiden machen. So gewinnen beide ein Selbstbewusstsein und Freude aneinander. Erst dann beziehen Sie ihren Mann ein in ihren Alltag mit Ihrem Kind. Gerade in einem Altern in dem das Kind sein Selbst entdeckt und manchmal in Trotzanfällen heftig verteidigt, braucht es einen sehr selbstbewussten und in sich ruhenden Vater, der nicht so schnell aufgibt aber auch nichts mit Gewalt durchsetzen will, sonst lassen sich seine Ängste nicht mindern. Ich rate Ihnen die Sicherheit des Kindes aufzubauen- weniger durch Zuspruch als durch Handlung- und Sie werden sehen, das Kind kann sich dann auch beim Vater entspannen und Sie wahrscheinlich entspannt mal abends weggehen. Das sind jetzt nur allgemeine Vorschläge. Sicher wäre es besser, ich würde ihr Kind kennenlernen und wir können gemeinsam schauen was speziell in seiner Entwicklungsstufe sinnvoll ist. Wenn Sie nicht in Hamburg leben, erkundigen Sie sich nach Eltern-Kleinkind-Beratungen, möglichst nach der sogenannten EPB-Methode. Dies ist die Entwicklungspsychologische Beratung, die an der Universität Ulm entwickelt wurde, damit wir kleine Kinder schon verstehen können bevor sie sprechen können, weil wir ihre Körpersprache erkennen. Sie können uns gern eine mail schreiben info@vonanfang.de, wenn Sie dazu Fragen haben. Beste Grüße Dagmar Brandi