Längere Wachphasen während der NachtKategorie: SchlafschwierigkeitenLängere Wachphasen während der Nacht
Connyflower fragte vor 9 Monaten

Längere Wachphasen während der Nacht

Liebes Vonanfang-Team, unser Sohn (16 Monate) ist eigentlich ein pflegeleichtes, quirliges und zufriedenes Kind. Mit dem Tagesschlaf (aktuell rund 1,5 – 2 h zur Mittagszeit) und dem Einschlafen am Abend gegen 20 Uhr gibt es so gut wie nie Probleme. Die letzte Stunde vor dem Schlafengehen läuft bei uns fast immer gleich ab mit ruhigerem Programm, baden, Buch lesen und Musik hören. Dann wird noch gesungen und dann schläft er von allein in seinem Kinderbett in seinem Zimmer ein. Also eigentlich alles prima.

Das Problem beginnt dann nach ein paar Stunden, er wacht zwischen 1 und 3 Uhr auf, dann nehmen wir ihn mit in unser Ehebett (beruhigen im Kinderbett funktioniert nicht wirklich) und er findet dann nicht richtig zurück in den Schlaf, wälzt sich von einer Seite auf die andere und weint herum. Manchmal 5 min, oft sind es jedoch zwischen 1 – 2 Stunden, die er dann quasi fast wach ist. Dann schläft er wieder ein und schläft bis morgens halb/ um 7. So richtig ausgeruht ist er nach solchen Nächten nicht, so daß es mir schwerfällt, zu glauben, daß er zu lange im Bett liegt… auf Dauer ist das sehr zermürbend und wir wissen uns langsam aber sicher keinen Rat mehr.

1 Antwort
Experte Dagmar Brandi hat vor 9 Monaten geantwortet

Liebe Connyflower,
daß Sie müde und ratlos sind, ist verständlich. Immer wenn die Kinder noch unbekannte neue Entwicklungsräume erreichen, stoßen Eltern an ihre Grenzen, denn das Alte geht nicht mehr. Das hilft ihnen aber auch sich in ihr Kind zu versetzen. Der zur Zeit stattfindende Umbau seines Gehirn ist gewaltig. Am Tag reizt ihn Neues auszuprobieren, aber nachts muß alles verarbeitet werden. Die Kinder beginnen sich als ihr eigenständiges Selbst zu erleben mit Höhepunkt mit 18 Monaten. Da ja nun die motorische Entwicklung enorm fortgeschritten ist, die Kinder sich meist schon recht weit von den Eltern entfernen können, machen Sie auch die Erfahrung von Trennung und Ängsten. Sie haben schon einen großen passiven Wortschatz, aber können sich sprachlich noch nicht so ausdrücken, daß sie es „loswerden“ können. So nehmen sie alles mit in den Schlaf. Ihr Sohn hält tagsüber – offenbar weil er so interessiert ist- lange durch und schläft dann mit Müdigkeit gut ein, verschläft auch die ersten Traumphasen, aber in der schwierigsten Phase der Nacht ist er im Halbschlaf unruhig. Manche Kinder entwickeln dann sogar den sogenannten Nachtschreck mit Schreien, aber sie erleben diesen nicht angstvoll und reagieren nicht auf Beruhigen. Das Ansprechen durch die Eltern kann die Unruhe verschlimmern. So ähnlich scheint mir das auch bei Ihrem Sohn zu sein. Seine motorische Unruhe ist sein selbstwirksamer Versuch sich wieder in Balance zu bringen, wenn die Eindrücke am Tag für ihn zu viel waren. Das merkt man den Kindern nicht unbedingt an. Daher mein Rat:
1. die Schlafmenge ist perfekt- ändern sie nichts.
2.Warten Sie erst 5 Min und dann schauen Sie im Bettchen nach ihm. Wenn er sich nicht beruhigen läßt, bleiben Sie ruhig bei ihm, summen oder atmen Sie ganz konzentriert und verändern nichts an der einmal gefundenen Strategie. Versuchen Sie ihn kurz allein zu lassen, wenn es sich nicht verschlimmert. Er braucht Zeit, um seine Eigenberuhigung zu finden mit Wühlen und Weinen. Wenn Sie einen Hund beim Schlafen gesehen haben, kennen Sie dies Phänomen. Wir alle werden nachts wach und sind teilweise sehr unruhig oder sprechen sogar im Schlaf, ohne es am nächsten Tag zu erinnern. Unangenehm kann es für die Mitschläfer werden. Daher sollten die Eltern nicht beide „mitleiden“, sondern auf alle Fälle abwechseln, damit einer Schlaf hat.
3.Spielen Sie am Tag Rollenspiele mit Stofftieren und Puppen, die das Trennungsthema behandeln oder auch Verstecken lieben Kinder sehr, es hilft ihnen die Toleranzschwelle zu erhöhen. Finden sie Worte für ihn, da er über Gefühle noch nicht sprechen kann, aber diese schon deutlich erlebt.
4.Machen Sie viele Spiele, die ihn seinen Körper und sein Selbst positiv erleben lassen.
5. Seien Sie geduldig! Es gibt eine familiäre Veranlagung für Schlafwandeln und den Nachtschreck in bestimmten Entwicklungsstufen. Das ist eine Herausforderung für Eltern, aber kein Grund zur Panik.

Was Sie schildern, spricht dafür, daß Ihr Kind eine sichere Bindung hat und am Tag sehr explorationsfreudig ist. Gerade weil er pflegeleicht ist, soll man ihn nicht überfordern.
Wenn Sie möchten, lassen Sie sich noch einmal individuell beraten. Unter der internetseite der GAIMH finden Sie Adressen.