Kleinkind (2) schläft abends sehr schlecht ein und wird nachts mindestens 2 Mal wachKategorie: SchlafschwierigkeitenKleinkind (2) schläft abends sehr schlecht ein und wird nachts mindestens 2 Mal wach
Natja R fragte vor 2 Monaten

Kleinkind (2) schläft abends sehr schlecht ein und wird nachts mindestens 2 Mal wach

Liebe Experten,
mein Mann und ich sind mit unserem Latein am Ende – wir haben schon diverse Beratungsangebote in Anspruch genommen und kommen einfach auf keinen grünen Zweig. Unser Sohn wird im Februar 2 und ist seit er 6 Monate alt ist ein sehr schlechter Schläfer (bis dahin war alles super). Er schläft ausschließlich mit der Flasche ein und wird mindestens 2 Mal Nachts wach, auch schläft er dann nur in unserem Bett wieder ein (wir legen ihn immer erst in seinem Bett schlafen). Wenn er wach wird, braucht er eine Flasche mit (sehr stark verdünnter) Milch, um wieder in den Schlaf zu finden. Seit etwa drei Wochen hat sich das Problem noch einmal verschärft: er schläft einfach überhaupt nicht mehr ein! Er trinkt seine Milch, ist sehr müde und schläft fast ein, holt sich dann aber wieder zurück und sitzt gut gelaunt im Bettchen. Oft braucht es dann mindestens 2 Stunden, ihn zum Einschlafen zu bringen. Wir bringen ihn um 19:30 Uhr ins Bett, wecken ihn um 7 und in der Kita hält er 1,5 Stunden Mittagsschlaf. 
Wir sind uns im Klaren, dass er eigentlich ohne Flasche schlafen sollte – momentan wünschen wir uns aber einfach, dass er überhaupt zuverlässig (ein)schläft. Wir sind für jeden Tipp dankbar.

1 Antwort
Experte Administrator hat vor 2 Monaten geantwortet

Vielen Dank, dass Sie sich an uns wenden.
Ich bin sehr neugierig welche Empfehlungen Sie bisher erhalten haben und woran es liegen mag, dass sich seit  1 1/2 Jahren keine Ruhe bei Ihnen einstellen mag.  Ihr Wunsch, wenigstens das Einschlafen abzukürzen, ist so gut zu verstehen!
Ich mache Ihnen jetzt gern Hoffnung, dass Sie gar nicht so weit von der Erfüllung dieses Wunsches  entfernt sind. Diese Hoffnung begründe ich damit, dass Ihr Sohn am Anfang ein guter Schläfer war. Die folgende Entwicklung seines Schlafes ist vollkommen normal, insofern als die Kinder im 2. Lebenshalbjahr meist mobil werden und zugleich Trennungsängste entsteht. Die Kinder träumen dann lebhafter und erwecken den Eindruck als ob sie auch in der Nacht mehr Trost benötigen, um wieder in den Tiefschlaf zu fallen. Es fällt den meisten Eltern schwer, dann nicht das maximale Programm aufzufahren, sondern lieber das „gestufte Trösten“ anzubieten. Ich kann das gut verstehen, weil es mir auch so ging, dass ich bei meinem Kind sofort alles tat, damit sie nicht richtig aufwacht und schnell wieder einschläft. Hätte ich damals schon gewußt, dass allein meine ruhige Anwesenheit und leichtes Trösten dazu beiträgt, dass es vielen Kindern nach den Traumphasen gelingt, schnell in den Tiefschlaf zu finden und bis zur nächsten Leichtschlafphase 4 Stunden später Ruhe zu geben. Nun liegt das Verhalten schon so lange zurück und ihr Kind hat sich daran gewöhnt, dass es von Ihnen die maximale Unterstützung bekommt. Es kann nicht „wissen“, dass es seinen Eltern nun wirklich mal reicht und sie schon sehr erschöpft und entmutigt sind- es sei denn, die Eltern fassen sich ein Herz, machen einen Plan, erzählen in einfachen Worten ihrem Kind davon und setzen ihn konsequent um. Zum Beispiel sagen sie ihm, dass Sie ihn nicht allein lassen werden, aber wenn er unruhig wird, erst einmal nur ruhig mit ihm sprechen werden und ihn trösten, aber keine Flasche geben werden. Auch die Einschlafflasche wollen Sie ihm jetzt beim Vorlesen und Kuscheln gern anbieten, dann aber ihn ohne Flasche ins Bett legen. In der Nacht trösten sie stufenweise über Sprechen, Streicheln, Kuscheln, Hochnehmen und als letztes die Flasche. Wenn Sie diese Reihenfolge einhalten (die Sie zuvor angekündigt haben) wird er nach 2 Nächten nur bis zur Stufe 3 kommen und dann vermutlich nur noch bis zur Stufe 1 oder 2.
Bitte nehmen Sie das nicht wörtlich: ich bin sehr erfahrene Eltern-Kleinkind-Therapeutin und Schlafexpertin aber keine Hellseherin. Ohne Sie und ihr Kind zu erleben, kann ich natürlich nichts versprechen.
Wichtig ist, dass Ihr Kind Ihnen vertraut und dass Sie Ihrem Kind etwas zutrauen, was es in seinem Alter bereits können müsste. Das Vertrauen erhält es durch die Vorhersagbarkeit Ihrer Schlafhilfen, die Sie ihm selbstverständlich zur Verfügung stellen, aber nur wenn er sie abruft, nicht indem sie die Zwischen-Stufen überspringen. Sie selbst haben das Wort zuverlässig erwähnt.
Beide Seiten müssen sich darauf verlassen können, dass sie eine Angewohnheit ändern wollen und dass sie sich gegenseitig in kleinen Schritten dabei unterstützen wollen. Ihr Kind verlässt sich darauf, dass Sie -wenn die 1. Stufe nicht ausreicht- die nächste und vielleicht übernächste Stufe anbieten werden, solange es diese braucht. Das Kind wird selbst sicher und kann sich entspannen. Oft hilft ein „Übergangsobjekt“, mit dem man das neue Vorgehen auch noch einmal „ernsthaft“ bespricht und das ein kleiner Begleiter in die Nacht wird.
Vermutlich haben Sie ähnliche Ratgeber schon gehört. Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zu erfahren, ob Sie hiermit etwas weiter kommen werden. Dies kann eine persönliche Beratung niemals ersetzen, aber Sie vielleicht stärken und Ihnen Mut machen, Ihrem Kind etwas zu zu-mut-en.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!