Julia H. fragte vor 7 Monaten

alleine einschlafen

Meine Tochter ist jetzt 18 Monate alt, und wir bleiben immer noch bei ihr, bis sie eingeschlafen ist. Da das in letzter Zeit manchmal sehr lange dauert, würden wir gerne mit ihr üben, alleine einzuschlafen. Wie macht man das am besten? Oder ist sie dafür noch zu jung? Wenn es für sie besser ist, wenn wir weiterhin während des Einschlafens bei ihr sind, machen wir das natürlich. Aber wir fragen uns, ob es vielleicht auch für sie gut ist das alleine Einschlafen zu lernen.

1 Antwort
Experte Dagmar Brandi hat vor 7 Monaten geantwortet

Liebe Julia, es ist richtig, daß ihr Kind das Allein-Einschlafen üben sollte, aber leider haben Sie sich nicht den günstigsten Zeitpunkt für Ihr Vorhaben ausgesucht. Mit 18 Monaten haben die Kleinkinder sich „Selbst“ entdeckt, erkennen sich im Spiegel und beginnen von sich selbst zu sprechen. Manchmal sehr vehement und das nennen wir „trotzen“. Das sind großartige Errungenschaften in der psychischen Entwicklung, aber genau dann können Kinder auf Trennungen ängstlicher reagieren. Von daher rate ich Ihnen jetzt besonders sehr liebevoll und bestimmt beim Zubettbringen klare vorhersehbare Rituale einzuführen. Legen Sie sich nicht mit dem Kind hin sondern spielen und kuscheln Sie vorher und dann legen Sie ihr Kind am Besten mit einem Tierchen oder einer Puppe (Übergangsobjekt) hin, streicheln es sanft und stehen ohne weitere Berührung ruhig daneben. Kündigen Sie an, daß Sie das Zimmer verlassen werden, aber in Rufweite bleiben. Machen Sie kein Licht an, weil das das Einschlafen verhindern kann. Wenn das Kind zur Ruhe kommt, verlassen Sie leise den Raum. Wenn Ihr Kind sich aufregt, dürfen Sie natürlich wieder reingehen, aber bleiben Sie dabei, es nur mit Worten oder Summen zu beruhigen, aber nicht aus dem Bett zu nehmen. Kinder in dem Alter lieben schon kleine Rollenspiele. Spielen Sie am Tag die Szene mit der Puppe einmal vor und lassen Sie das Kind die Puppe ins Bett bringen. Die Rituale müssen bei allen, die das Kind ins Bett bringen nicht identisch sein. Aber jeder Beteiligte sollte an seinem eigenen Ritual festhalten. Kinder erwarten stets was als nächstes passiert und sind irritiert, wenn etwas Neues passiert. Gerade wenn es jetzt in einer Phase der Verunsicherung ist, ist so ein Ritual wichtig. Daß es einfach klappen wird, kann aber noch einige Wochen dauern bis Sie schnell aus dem Zimmer gehen können. Bleiben Sie geduldig dabei. Die Regelmäßigkeit wird das Vertrauen Ihres Kindes in Sie stärken und dazu führen, daß es Trennungen leichter bewältigen kann. Ich wünsche es Ihnen! Ihre Dr. Dagmar Brandi