Nils & Katharina fragte vor 5 Monaten

9 Monate, kaum Schlaf

Unser Sohn (kommende Woche 9 Monate, erstes Kind, reif und komplikationslos geboren) schläft sehr wenig und schlecht und wir wissen uns keine Hilfe mehr.

Derzeit schläft er tagsüber 2-3 mal im Schnitt eine halbe Stunde (ca. 9/10h, ca. 14h, ca. 17h), jedoch nur im Kinderwagen im Arm oder an der Brust (Stillen ist allerdings keine Nahrung mehr, nur Beruhigung – er isst drei Breie, nach Befarf einen Nachmittagssnack und bekommt abends und nachts Fläschchen). Ablegen toleriert er nicht, er wird in der Regel umgehend wach, beginnt zu schreien und ist nur durch Hochnehmen zu beruhigen. Im Arm oder im fahrenden Kinderwagen kann er jedoch auch bis zu zwei Stunden schlafen.

Wir bringen ihn zwischen 19 und 20:30h (je nach dem, wie er es zulässt) in sein Bettchen  und halten ein Ritual von wickeln, umziehen, Geschichte lesen, Fläschchen. Trotzdem wehrt er sich oft lange gegen das Einschlafen, er setzt sich auf (reibt sich arg die Augen, ist offensichtlich erschöpft), schreit markerschütternd und schläft nur unter Fön (anblasen) oder auf dem Arm ein. Zum Weiterschlafen braucht er jetzt fast immer das Föngeräusch, Abschalten führt schnell zum Aufwachen. Mit Glück schläft er zunächst 2-3 Stunden, oft aber auch weit weniger. Dann gibt es ein großes Aufwachen und Schreien und er braucht ab dann halbstündig Beruhigung (Anfönen, Herumtragen). Manchmal hilft nur Aufstehen und spielen gegen das Schreien – er ist jedoch sichtbar müde, wankt, reibt sich die Augen. Trotzdem reagiert er auf Hinlegen (selbst im Arm) dann mit brutalem Schreien und letztlich hilft nur Fön oder Brust, manchmal das Fläschchen. Zwischen 6 und 7h ist er vollends wach und wir stehen auf.

Uns belastet diese Situation sehr, weil wir einander nur mit großem Aufwand (Ohropax, separates Zimmer) ermöglichen können, einmal selbst nachts ein paar Stunden am Stück zu schlafen, während der andere dann permanent bei unserem Sohn ist. Wir sind erschöpft.

Unser Sohn ist ansonsten gesund (erst eine Erkältung), altersgerecht entwickelt, motorisch sehr fit (er konnte mit 6 Monaten krabbeln, zieht sich mittlerweile ins Stehen hoch) und sehr interessiert, aufgeschlossen und begeisterungsfähig: Er spielt gerne mit Gegenständen und sucht stets Neues; er beobachtet seine Umwelt (besonders Tiere, andere Kinder und Autos) gespannt und fällt manchmal fast vom Arm oder aus dem Wagen, weil er sich so nach allem reckt); er gerät in Begeisterung, wenn er unter Menschen ist (strahlt, jauchzt, will sie anfassen – besonders andere Babies feiert er) und bricht in Krabbelgruppen ohne Zögern auf, um Raum, Spielzeug, Kinder und andere Eltern zu erkunden, er blickt sich zwar nach uns um, traut sich aber weit von uns fort und ist freudig unterwegs. Er plappert oft vor sich hin bzw mit uns und genießt Abenteuer wie Kissenschlachten und Fliegenlassen – da kreischt er vor Verzückung.
Ruhe mag er jedoch nicht – er sitzt nie lange still und wechselt schnell zwischen Spielzeugen. Außerdem mag er zu Hause nicht „allein sein“ und schreit, sobald wir außer Sicht geraten (z.B. für einen Toilettengang).

Sein Wachverhalten war immer so – er ist von Anfang an sehr interessiert gewesen und hat immer einen schnellen Wechsel zu Neuem verlangt. Bevor er krabbeln konnte, war er jedoch deutlich unzufriedener, wurde schneller wütend und weinte tagsüber mehr. Mit dem Krabbeln kam mehr Lachen und Freude, aber keine Geduld.

Der Nachtschlaf hat sich in den letzten zwei Monaten so katastrophal entwickelt. Seit Mitte August (da wurde er 7 Monate) befindet sich sein Rhythmus von Schlafphasen, den er bis dahin für etwa 3 – 4 Monate recht stabil gehabt hatte (eigenes Bett von ca. 20h bis 2h/3h, dann Fläschchen und zu uns ins Babybay bis ca. 7h mit eventuell Unruhe oder etwas Aufwachen) in rasanter Auflösung.
Wir dachten zunächst, es wäre das Zahnen (er bekam August-September seine ersten zwei Zähnchen), aber er zeigt keine Schmerzsymptome mehr und hat auch noch keine weiteren Zähne.

Wir wissen uns nicht mehr zu helfen und fühlen uns nachts zurückversetzt in seine ersten Lebenswochen, in denen er auch nur im Arm oder an der Brust überhaupt schlafen konnte und dies nie länger als 2 Stunden am Stück. Häufig waren es halb- oder knapp einstündige Intervalle, auch nachts. Er schrie zudem sehr viel  und lang, er war trotz Herumtragen (Arm, Tuch), Schnulli, Stillen, Spaziergängen oft untröstlich und immer nur sehr kurz friedlich. Wach hat er beinahe nur geschrien. Weder Kinderarzt noch Osteopath fanden aber etwas an ihm.

Wie gesagt, ist er tagsüber nun viel zufriedener (solange Abwechslung sichergestellt ist), die Nächte haben sich aber in Schreien, Schlaflosigkeit und Föngedröhn aufgelöst. Und wir finden keinen Grund für diesen Wandel.

Über Rat würden wir uns sehr freuen,
Katharina und Nils

1 Antwort
Experte Dagmar Brandi hat vor 5 Monaten geantwortet

Liebe Eltern,

Sie schildern ihren Sohn als ein sehr offenes neugieriges Kind. Verbunden ist damit aber leider eine nicht ausreichend gewachsene Fähigkeit sich selbst zu beruhigen. Sie beschreiben was er alles in Anspruch nimmt von ihren Hilfestellungen ihn zur Ruhe zu bringen und da haben Sie schon viel ausprobiert. Leider ist nicht zu erkennen was er selbst schon beitragen kann zu seinem Schlafritual. Dabei ist er ein lebhaftes tolles Kind! Er ist glücklicher seit er krabbeln kann! Also kann man davon ausgehen, daß er auch glücklicher wird wenn er Mittel und Wege findet, selbst besser zur Ruhe zu finden. Dazu gehört auch, daß er bei den Leichtschlafphasen ohne Fläschchen wieder zurück zur Ruhe findet.

Nun hat ein 8 bis 9 Monate altes Kind einen viel unruhigeren Schlaf als in den vorigen Monaten was damit zusammenhängt ,daß das Kind sich beginnt als selbstständiges Wesen zu begreifen und dies ja motorisch auch durch das Krabbeln unter Beweis stellt. Mit der Mobilität wächst die Angst vor Trennung und diese zeigt sich besonders nachts.
Daher ist es wichtig, daß sich die Eltern ganz ruhig und konsequent insbesondere beim Ein- und Durchschlafen verhalten. Das Kind ist erheblich beunruhigt, wenn es anders einschläft als es aufwacht und sicht dann zunächst Nähe. Die Eltern sind dann sehr gefordert, weil sie –auch wenn sie selbst übermüdet sind- ihr Kind beruhigen sollten aber nur mit so viel Unterstützung wie unbedingt erforderlich.  Es gibt die Stufen des Tröstens, die auf alle Fälle dazu führen werden, daß ihr Kind und Sie selbst besser zur Ruhe kommen. Da ihr Kind dies noch nie konnte, würde ich Ihnen jedoch unbedingt eine individuelle Schlafberatung empfehlen. Die Probleme wachsen sich leider nicht von allein aus. Wichtig ist die „Selbstregulation“ des Kindes zu unterstützen. Das ist bei sehr offenen Kindern nicht so einfach- doch ohne das Kind zu sehen, kann man ihnen keinen qualifizierten Ratschlag geben. Mir scheint, daß er durch den Schlafmangel noch viel unruhiger geworden ist als zuvor. Daher halten Sie zu viele Reize fern vom Kind, installieren Sie einen festen Rhythmus und nehmen Sie von sich aus viel Blick- und Stimmkontakt mit ihm auf. In dem Alter verstehen Kinder schon sehr viel!

Für Sie vorab der Tip:
üben sie das Trennungssthema und spielen Sie mit ihrem Kind das „Guckguck-da-Spiel“. Lassen Sie das Kind im Fremdelalter nicht allein, sonst aktivieren Sie sein Bindungssystem und das meldet sich dann besonders, wenn das Kind nachts aufwacht und nichts mehr ganz genau so ist wie beim Einschlafen.
Mit guten Wünschen!