MRippin fragte vor 9 Monaten

14 Monate wirft Essen auf den Boden

Hallo, ich würde gerne wissen, ob es normal ist für ein 14 Monate altes Kind wenn es in der 2. Hälfte der Mahlzeit anfängt das Essen aus dem Mund zu holen und auf den Boden zu werfen. Verbote helfen nicht, im Gegenteil dann wird es noch heftiger. Ist das normal und muss man das so zulassen oder wie sollte man reagieren ?
Vielen Dank für Ihre Hilfe,
Markus Rippin

1 Antwort
Experte Dagmar Brandi hat vor 9 Monaten geantwortet

Hallo Herr Rippin, vielen Dank! Kinder machen eine Menge Arbeit, aber sollten die Eltern auch durch Freude belohnen. Wenn das „normal“ sein sollte, macht den Eltern das gemeinsame Essen mehr Stress als Spaß, oder? Aber viele Kinder um das 1. Lebensjahr herum- sobald der schlimmste Hunger vorbei ist-  wollen gemeinsamen Spaß und stillen lieber ihren Hunger nach Kommunikation und Beziehung als mit Essen. Die Kinder beobachten dabei sehr genau wie gelassen Sie als Erwachsene bleiben und ob Sie gleichzeitig deutlich Grenzen aufzeigen. Wenn Sie sich ein bisschen dabei aufregen, kann das für das Kind eine Herausforderung sein, die Grenzen der Eltern weiter auszutesten. Sie wollen deutlich hören was die Eltern wollen. Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass die Kinder nicht absichtlich die Eltern ärgern wollen. Aber mit dem Essen rumzumanschen, kann für manche Kinder durchaus lustvoll erlebt werden und so viel Spaß machen, dass sie es gern wiederholen, wenn die Eltern dies zulassen (laisser faire) oder sich ihnen sogar noch mehr zuwenden als normalerweise (Beziehung ist das größte für ihr Baby).
In diesem Alter nimmt das Kind kaum noch an Gewicht zu. Das heißt auch sein Appetit kann geringer sein und von Tag zu Tag wechseln. Selbst Lieblingsgerichte können von einem Tag auf den anderen völlig unattraktiv sein. Für das Kind ist interessanter wie sich seine Eltern verhalten. Mit anderen Worten : es ahmt sie nach. Akzeptieren Sie seine Bedürfnisse nach eigenen Wünschen oder schränken Sie es sehr ein? Geben Sie ihm eine Chance, dass es sich verstanden fühlt und dennoch auf Ihre Vorgaben eingeht? Keinesfalls verstehen Kleinkinder moralische Argumente wie „das tut man nicht.“

Also praktisch könnten Sie folgendermaßen beim Grenzensetzen vorgehen:
Sie müssen ja nicht gleich schimpfen. Es reicht dem Kind sehr freundlich und bestimmt zu sagen: „Ich sehe, du spielst mit dem Essen, dann ist dein Hunger wohl nicht mehr so schlimm.  Möchtest du noch einen Haps (oder Löffel oder Bissen) essen? Wenn dir das jetzt reicht, räume ich deinen Teller weg. Möchtest du noch einen Schluck Wasser trinken? Wenn du fertig bist, darfst du jetzt aufstehen, wir putzen den Mund ab und räumen alles in die Küche.“ Dabei lassen sie das Kind aktiv mit helfen und bleiben bitte bis zur nächsten vorgesehenen Mahlzeit standhaft. Sie dürfen eine kleine Zwischenmahlzeit wie ein Stück Obst oder etwas zu trinken anbieten, aber keine Mahlzeit außer der Reihe. Ihr Kind sollte nicht bestimmen was Sie zum Essen anbieten, aber wovon es wie viel essen möchte, kann es in diesem Alter selbst entscheiden. Daher lassen Sie ihm höchsten 2 Alternativen wie z.B. „Käse oder Wurst“. Es ist wichtig, dass es sein Hunger- und Sättigungsgefühl kennenlernt. Dazu sprechen Sie bitte mit ihm darüber, indem sie fragen: „bist du satt?“, „hast du Hunger?“, „hast du Durst?“
Sie werden sehen, wenn Sie in dieser Weise mit ihrem Kind „verhandeln“ – freundlich zugewandt aber bestimmt- machen alle kleinen Alltagsverrichtungen mit einem kleinen Kind plötzlich viel mehr Spaß. Sie haben ein Kind, das gern kooperiert und wahrscheinlich fällt die gefürchtete Trotzphase gimpflicher ab. Viel Erfolg!